MINIJOB: VERDIENSTGRENZE UND ARBEITSRECHT

Der Minijob bietet vielen Menschen die Chance, entweder durch eine haupt- oder nebenberufliche Tätigkeit, seinen Lebensunterhalt aufzubessern oder gar davon zu leben. In der Fachsprache wird der Minijob auch als geringfügige Beschäftigung bezeichnet. Umgangssprachlich reden wir eher von einem 450-Euro-Job.

Aber was ist beim Minijob alles erlaubt und wo ist die Abgrenzung z. B. zwischen einem 450-Euro-Minijob und einer kurzfristigen Beschäftigung? Was versteht der Gesetzgeber unter einer geringfügigen Beschäftigung? Diese und noch viele weitere Fragen möchten wir in dem Beitrag beantworten. Wir konzentrieren uns bei der Beantwortung hauptsächlich auf den gewerblichen Bereich, d. h. der Minijob im Privathaushalt wird hier nicht gesondert behandelt.

Minijob – Definition

Die Minijob-Zentrale definiert den Minijob wie folgt: „Ein Minijob ist eine geringfügige Beschäftigung. Geringfügig bedeutet, dass es eine bestimmte Verdienstgrenze oder bestimmte Zeitgrenzen gibt. Ein Minijobber kann im gewerblichen Bereich oder im Privathaushalt beschäftigt sein.“ Beide Bereiche unterliegen der Meldepflicht.

Verdienstgrenze beim 450-Euro-Minijob

Die Verdienstgrenze beim 450-Euro-Minijob liegt üblicherweise bei durchschnittlich € 450,00 pro Monat und höchstens bei € 5.400,00 pro Jahr. Hier ist es unerheblich an wieviel Tagen pro Woche oder pro Monat gearbeitet wird. Die Höchstarbeitszeit ergibt sich jedoch aus dem Mindestlohngesetz und wird daher auf rund 48 Stunden pro Monat begrenzt.

Kurzfristige Beschäftigung

Wir sprechen von einer kurzfristigen Beschäftigung, wenn der Arbeitnehmer längstens drei Monate (90 Kalendertage bei einer 5-Tage-Woche) oder höchstens 70 Arbeitstage (können über 1 Kalenderjahr verteilt sein) pro Jahr arbeitet und diese Beschäftigung von vorneherein zeitlich begrenzt ist. Das kann z. B. bei Saisonarbeit ein Erntehelfer oder ein Verkäufer im Weihnachtsgeschäft sein.

Corona-Krise

Im Zuge der Corona-Krise wurde die zeitliche Befristung vorübergehend neu geregelt. Vom 01. März 2020 bis zum 31. Oktober 2020 darf ein kurzfristig Beschäftigter fünf Monate oder 115 Arbeitstage pro Jahr arbeiten.

Besonderheiten der kurzfristigen Beschäftigung

Bei der kurzfristigen Beschäftigung ist die Höhe des Verdienstes nicht relevant, um von den geringen Sozialabgaben zu profitieren. Hier kommt es hauptsächlich auf die Zeitbegrenzung an, die nicht überschritten werden darf.

Damit Sie auf der sicheren Seite stehen, sollte im Vorfeld die Befristung vertraglich geregelt sein. Aus dem Vertrag muss klar hervorgehen, dass die Beschäftigung entweder auf 3 Monate befristet ist oder an maximal 70 Arbeitstagen pro Kalenderjahr gearbeitet wird.

Wichtig: Wird die kurzfristige Beschäftigung von 3 Monaten oder 70 Arbeitstagen zeitlich überschritten, geht man von einer Berufsmäßigkeit aus. Das bedeutet, hier wird angenommen, die wirtschaftlichen Interessen des Arbeitnehmers überwiegen. In diesem Fall sind natürlich die Sozialabgaben fällig.

Welche Arbeitsrechte hat der Minijobber

Der Minijobber hat die gleichen Arbeitsrechte wie ein Teil- oder Vollzeitbeschäftigter. Das heißt, arbeitet ein Arbeitnehmer auf der Minijob-Basis, hat er Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall, auf Urlaubtage oder Urlaubsgeld sowie sonstige Sozialleistungen, die üblicherweise in einem Unternehmen gezahlt werden.

Die Rechte und Pflichten für den Minijobber ergeben sich aus dem Arbeitsvertrag, der Betriebsordnung, dem Tarifvertrag oder den gesetzlichen Vorschriften.

Wichtig: Werden in einem Unternehmen in der Regel Sozialleistungen für alle Mitarbeiter wie z. B. Urlaubs- oder Weihnachtsgeld gezahlt, müssen diese Leistungen bei der jährlichen Verdienstgrenze von € 5.400,00 im Vorfeld einkalkuliert werden.

Sozialabgaben

Grundsätzlich ist der Minijobber Rentenversicherungspflichtig. Es besteht jedoch die Möglichkeit, sich von der Rentenversicherungspflicht befreien zu lassen, dazu muss man einen Antrag auf Befreiung von der Rentenversicherungspflicht stellen. Der Arbeitgeber zahlt weiterhin den pauschalen Rentenbeitrag am die Minijob-Zentrale.

Der Arbeitgeber zahlt höchsten 31,15 % Sozialabgaben und der Minijobber muss nur 3,6 % für die Rentenversicherung von seinem Verdienst zahlen. Die gesamten Sozialabgaben werden vom Arbeitgeber an die Minijob-Zentrale monatlich abgeführt.

Übersicht Sozialabgaben beim Minijob

Abgabearten 450-Euro-Minijob kurzfristiger Minijob
Krankenversicherung pauschal 13 % keine Abgabe
Pflegeversicherung keine Abgabe keine Abgabe
Rentenversicherung pauschal 15 % (Arbeitgeber) keine Abgabe
Rentenversicherung 3,6 % (Arbeitnehmer) keine Abgabe
Umlage 1 (U1)* 0,9 % 0,9 %
Umlage 2 (U2)** 0,19 % 0,19 %
Arbeitslosenversicherung keine Abgabe keine Abgabe

Lohnsteuer pauschal

(Lohnsteuer, Kirchensteuer, Solidaritätszuschlag)

2 % 25 % pauschal oder individuell nach Steuerklasse
Unfallversicherung wird individuell z. B. durch die Berufsgenossenschaft berechnet. wird individuell z. B. durch die Berufsgenossenschaft berechnet.
Insolvenzumlage 0,06 % 0,06 %
Abgabe maximal 31,15 % 26,15 %

*Umlage 1 – im Falle einer Krankheit

**Umlage 2 – im Falle einer Schwangerschaft oder Mutterschaft (gilt für weibliche und männliche Minijobber)

Kurzarbeit

Befindet sich ein Unternehmen in Kurzarbeit, werden die Minijobber bei der Mitarbeiteranzahl zwar berücksichtigt, jedoch haben sie keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld (siehe Merkblatt 2.5 Persönliche Voraussetzungen).

Warum ist das so? Für den Minijobber führt der Arbeitgeber bekanntlich kein Arbeitslosengeld ab. Auf Kurzarbeitergeld hat nur der Arbeitnehmer Anspruch, der üblicherweise in einer versicherungspflichtigen Beschäftigung tätig ist und Arbeitslosengeld bezahlt.

 

 

 

Quelle

Minijob-Zentrale

Bundesministerium für Arbeit und Soziales

 

Diesen Artikel hat geschrieben:

Sibylle Frankenheim

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